Wie der Koloss nach Singapur kam

Singapur Marina Bay Sands Kasino Glücksspiel Delikt Gesetzesänderung

In Sauber-Singapur kann man für unzählige Delikte belangt werden. Auch Glücksspiel stand auf der Liste. Bis die Finanzkrise kam, und der Staat merkte: Gambling erhöht das Bruttoinlandsprodukt.

Singapurer werden gerne mit Deutschen verglichen. Weil sie ein bisschen motzig sind, sich miteinander vergleichen – aber eben auch eine Stimme haben, die gerne gegen die Regierung laut wird.

Als 2007 die Arbeitslosenquote bei einem Rekord-Hoch von 3,8 Prozent lag, kramte der Staat in der Job-Kreations-Kiste – und fand die Bausteine „Tourismus“ und „Glücksspiel“.

Bauen wir ein Kasino für Touristen. Schlug die Regierung vor. Doppelmoral: Glücksspiel ist in Singapur verboten. Protestierte die Bevölkerung.

Fair enough, die Bürger durften wählen. 52 Prozent setzten ihr Häkchen bei „Nein“.

(K)ein Kasino: Marina Bay Sands

Drei Jahre später wurde das Marina Bay Sands fertiggestellt. Kein Kasino – ein „Integriertes Resort“. Mit drei Hoteltürmen, 50 Stockwerken, 2.521 Hotelzimmern, Sky Park, Infinity-Pool, Kongresszentrum, zwei Theatern, Einkaufszentrum, einem Kunst- und Wissenschaftsmuseum, wirst du schon müde vom Lesen, dann kann ich noch schnell ein Kasino ins Untergeschoss schmuggeln.

Wir müssen natürlich fair bleiben und erwähnen, dass sich 48 Prozent f-ü-r die Glücksspielstätte ausgesprochen haben.

Immerhin: Allein schon durch das Management der Hotelanlage sind unzählige Arbeitsplätze entstanden. Das Kasino haut nochmal 30.000 Jobs oben drauf. Ganz zu schweigen vom Geld, das von der Hosentasche der Touristen ins Bruttoinlandsprodukt Singapurs wechselt.

Bad, Worse, Gambling

Für den Bau des Marina Bay Sands wurde also das Gesetz geändert. Verpönt ist Glücksspiel in Singapur aber noch immer – daher hält man die eigenen Landsleute so gut es geht vom Kasino fern.

Dafür hat der Staat natürlich Maßnahmen: Aufklärungsprogramme schrecken vorm Spielen ab. Wer schon in der Gambling-Schleife gefangen ist, erhält Hilfe im Betreuungszentrum für Spielsüchtige. Notfalls reicht auch ein Hinweis von Angehörigen – und dem Zocker wird der Eintritt ins Kasino verwehrt.

Eine weitere Hürde bildet eine „Steuer“: Einheimische stecken beim Betreten des asiatischen Las Vegas 100 Singapur-Dollar ab, die Jahreskarte gibt es für 2.000 S$. Touristen brauchen für den Eintritt einen gültigen Reisepass.

Kommentar (1)

  1. Pinkback: Weltgestalt - Architektur auf Reisen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*