MAAT in Lissabon

Fliesen-Fassade Lissabon Museum MAAT

Das neue MAAT (Museu de Arte, Arquitectura e Tecnologia) ist vor allem auch der Versuch, eine Wunde in Lissabons Städtebau zu schließen. Genauer gesagt: Stadt und Ufer zu vereinen.

Der Neubau befindet sich in Belém, Lissabons Museumsquartier. Inmitten einer geballten Ladung Kunst auf mehreren tausend Quadratmetern Fläche. Blöd nur, dass man sich für eine „Seite“ entscheiden muss: Stadt oder Ufer.

Denn das Viertel wird von der vierspurigen Verbindungsstraße N6 und einer Bahntrasse durchtrennt. Ein gemütlicher Spaziergang von Kunsthalle zu Kunsthalle – Fehlanzeige. Ein ehrgeiziger Marsch zur nächsten Fußgängerbrücke – wegen Überlastung gesperrt.

Museum und Stadt

Genau an dieses Problem will das städtebauliche Konzept des neuen MAAT anknüpfen. Zunächst fungiert das begehbare Dach des Museums als öffentlicher Platz, der oberhalb der Promenadenebene liegt. Einen guten Ausblick hat man also schonmal – zur anderen Stadtseite und zum Fluss Tejo.

White Cube Ausstellung Museumsquartier Belem Lissabon

Im nächsten Schritt soll eine Fußgängerbrücke aus der Dachlandschaft herauswachsen, dafür hat das Gebäude schließlich parametrische Anknüpfungspunkte.

Tatsächlich befindet sich auf der anderen Seite der Schneise ein Parkplatz, der dank Lissabons hügeliger Geografie auf Augenhöhe liegt. „Die Stadt hat eingewilligt, dort einen öffentlichen Platz zu schaffen. Spaziergänger in Belém können dann schwellenlos über eine Brücke ans Ufer kommen“, erklärt Maximiliano Arrocet, Projektleiter des MAAT vom Architekturbüro AL_A.

Noch ist die Brücke Zukunftsmusik. Trotzdem wird die Dachlandschaft von Einwohnern und Touristen bereits als öffentlicher Platz genutzt.

Bewegungsführung und Orientierung

Beim Flanieren über den parametrischen Bau überrascht es nicht, dass man irgendwann geräuschlos auf Promenaden-Ebene landet, wo Dach und Boden fusionieren. Von hier aus kann man den Eingang des Museums nicht übersehen, die ganze Südfassade zur Wasserfront ist eine einzige einladende Geste. Die geschwungenen Linien des Baus weiten sich und saugen den Besucher ins Innere.

Während man sich eingeladen, umschmeichelt und durch schwungvolle Bewegungen ins Museum geführt fühlt, steht man im Innern plötzlich auf der oberen Ebene eines zweigeschossigen Ausstellungsraums. Dem Zentrum des Museums. Windfangende ist gleich Ausstellungsbeginn. Tickets? Garderobe?

Hier war die Intention der Architekten wohl, dem ankommenden Besucher direkt eine Perspektive auf die Ausstellung zu bieten. Leider etwas unvermittelt. Auch Künstler und Kuratoren stehen vor der Herausforderung, auf den in Breite und Länge 40 mal 60 Meter messenden Raum zu reagieren. Klar ist: Ein paar Bildchen gehen in dem Raum unter. Wollen die Architekten aber auch gar nicht. Sie verlangen von der Kunst eine Interaktion mit dem gegebenen Raum.

Gut funktioniert im Gebäude die Bewegungsführung, welche die Besucher ganz selbstverständlich durch die Räume leitet: Vom Dach über den zweigeschossigen Ausstellungsraum im Erdgeschoss bis ins Untergeschoss. Falls man die zurückgelegte Abwärtsbewegung nicht mitbekommen hat, erinnert ein Oberlicht zwischen den Ausstellungsräumen daran, dass man sich unterhalb der Wasseroberfläche des Tejo befindet. „Wir hoffen natürlich, Spaziergänger durch den Blickbezug auch ins Museum locken zu können“, erklärt Arrocet.

Lissabons Fliesen

Eine wichtige Inspiration für den Bau war neben dem städtebaulichen Heilungsversuch auch der Tejo. Das macht sich beispielsweise an der Fassade bemerkbar: Die weißen Fliesen reflektieren die Umgebung, je nach Tageszeit spiegelt die Fassade die glitzernde Wasseroberfläche.

Für diesen Effekt wurden drei unterschiedlich ausgerichtete Fliesen-Module verwendet. „Im Sommer, wenn der Wasserspiegel hoch ist, kann man an den Reflexionen in der Fassade den Fluss ablesen“, schwärmt Arrocet.

Und auch mit diesem Bild knüpft der Neubau an seinen Kontext an – Fliesen sind ein prägendes Gestaltungselement von Lissabon. Historisch stehen sie für den Wohlstand ihrer Hausbesitzer. Sie haben aber auch den ganz pragmatischen Nutzen, dem Salzgahalt in der Luft zu trotzen.

Kommentar (1)

  1. Pinkback: Weltgestalt - Architektur auf Reisen

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