Auftritt Weltwirtschafts-Bühne: Petronas Towers

Die Petronas Towers von Kuala Lumpur sind ein Statement. Nachdem Wolkenkratzer Jahrzehnte lang unangefochten aus US-amerikanischem Boden schossen, machte Malaysia den Wettbewerb Ende der 90er zu einem internationalen.

Etwas überrollt fühlte sich der Westen schon, als der Höhenrekord in einer asiatischen Metropole gebrochen wurde. Zudem ist Kuala Lumpur eine verhältnismäßig junge Stadt, die doch grade noch aus kleinen Strukturen bestand – spielte da nicht ein wenig Größenwahn mit?

Malaysia und den 22 Jahre lang amtierenden Premier Tun Mahathir bin Mohamad kratzte diese Kritik nicht. Land und Regierung wollten zeigen: Wir sind auf der Weltwirtschaftsbühne angekommen. Seht euch unsere Performance an.

Traditionell islamisch?

Seit Fertigstellung der Petronas Towers 1997 haben sich asiatische, arabische, amerikanische Megabauten gegenseitig vom Höhen-Thron geschubst. An der architektonischen Sprengkraft der Zwillingstürme hat dies aber keine Spuren hinterlassen.

Der Entwurf stammt vom amerikanischen Büro Pelli Clarke Pelli. Aufgabe war es, ein Wahrzeichen zu schaffen, das die Stadt-Silhouette nachhaltig prägt. Machbar. Und das Ganze bitte in der malaiischen Bau-Tradition. Bitte, was?

Bautradition in Sachen Wolkenkratzer gab es in Malysia zu diesem Zeitpunkt keine. Genau genommen war das Vorhaben das erste seiner Art. Nationale Erfahrungswerte – Fehlanzeige. Trotzdem nahm das Architektenteam die Anfrage der Regierung ernst und interpretierte zumindest in der Gestaltung traditionell islamische Formen. So besteht der Grundriss aus einem achteckigen, sternförmigen Grundriss – ein immer wiederkehrendes Symbol in Malaysia.

Das Zeitproblem

Bemerkenswert ist, dass die Zwillinge von verschiedenen Konstrukteurs-Eltern stammen. Denn: Für ein Projekt dieser Größe werden normalerweise acht Jahre Bauzeit veranschlagt. Das Budget reichte für sechs.

Trotz instabilem Sediment und der schwierigen Wetterbedingungen im sogenannten Monsun-Gürtel wurde der Bau im geplanten Zeitfenster fertiggestellt.

Junge, boomende Stadt

Kuala Lumpurs Geschichte reicht gerade mal 160 Jahre zurück– und war zunächst keine von Erfolg. Die Stadt entstand mitten im Urwald, Brände und Monsun streckten die ersten Bauten nieder.

Ein immer frisches Make-up wurde KL in den 80er- und 90er-Jahren verliehen. Geschminkt wurde bis zur Unkenntlichkeit: Neue Bauten benötigten neue Infrastrukturen, welche einfach über die alte gelegt wurde. Wer Kuala Lumpur nach ein paar Jahren Abstinenz wieder besucht, kann sich durchaus verlaufen.

Was noch fehlte, war ein prägendes Wahrzeichen, das die Aufmerksamkeit der restlichen Welt auf den Tiger-Staat lenkte.

Skybridge und Philharmonie

Bis heute halten die Petronas Towers die Hauptstadt-Silhouette zusammen. Und locken (als zugegeben einzige Attraktion der Stadt) die Touristen nach oben. Auf der 41. und 42. Etage verbindet die „Skybridge“ beide Türme, in erster Linie als Fluchtweg. Fun Fact: Bei starkem Wind schwanken beide Türme in verschiedene Richtungen, weshalb die Brücke nicht fest mit ihnen verbunden ist.

Aber auch der Blick „nach unten“ lohnt sich. Im Untergeschoss finden Konzerte der malaysischen Philharmonie und anderer Orchester-Größen statt. Die Kosten liegen bei 35 malayische Ringgit – umgerechnet etwa sieben Euro.

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