Geometrisch geordnete Weltstadt

architektur new york

Manhattan gründet auf dem sogenannten „Grid“: einem städtebaulichen Schachbrett. Nachdem New York zu Beginn des 19. Jahrhunderts unkontrolliert zur bevölkerungsreichsten Stadt der USA heranwuchs, reagierte der Bürgermeister DeWitt Clinton mit einem System der Ordnung.

In seinem Auftrag wurde das Land aus Sümpfen, Hügeln und Wasserläufen vermessen, 1811 legte die Planungskommission den neuen Stadtgrundriss vor: Mit Platz für eine Millionen Menschen. Das waren zehnmal so viele, wie damals in der Metropole lebten. Das Ziel: New York zur Weltstadt formieren.

Die Funktionsweise des Grids ist simpel. Das Netz besteht aus zwölf Längs- und 155 Querstraßen aus über 1.500 rechteckigen Grundstücksblöcken. Statt gewöhnlichen Namen tragen die Straßen Nummern.

Orientierung in Manhattan
– die Fifth Avenue teilt Manhattan in East- und Westside und ist somit ein wichtiger Orientierungspunkt
–„Streets“ verlaufen in Ost-West-Richtung
–„Avenues“ verlaufen in Nord-Süd-Richtung
– Straßenschilder weisen auf „East“ oder „West“ hin

Der Broadway ist ein Trampelpfad

Die neue Stadtstruktur wurde nach dem Prinzip des Plattmachens verwirklicht: Hügel wurden eingeebnet, Sümpfe trockengelegt, Häuser abgerissen, Parzellen zerschnitten. Fast wäre dabei auch ein alter Trampelpfad verschwunden: der Broadway.

Die Diagonale gab es schon, bevor die Europäer Mitte des 17. Jahrhunderts Amerika entdeckten. Indianer hatten sich die Wildnis um Sümpfe und Felsen herum freigeschlagen. Der „Wickquasgeck“ war ihr wichtigster Pfad. Als die Holländer kamen, bauten sie ihn zu einer befestigten Straße aus und nannten ihn „Breede Weg“ (breiter Weg).

New-Museum-NY-Sanaa

Central Park

Im Masterplan 1811 war keine Grünfläche vorgesehen – zur Erholung vom Stadtjungle sollte das Ufer ausreichen.

Dagegen kamen 1850 Widerstände auf: Reformpolitiker forderten einen Park als Treffpunkt für die New Yorker. Außerdem wollte man sich mit einer repräsentative Grünanlage gegenüber europäischen Metropolen behaupten können. So wurden 151 Blöcke aus dem Plan gestrichen – und der 340 Hektar große Central Park errichtet.

Vorteile des Grids

Mit dem Grid verfolgte man auch ganz pragmatische Ziele: Im rechten Winkel lässt sich günstiger Bauen, ein geordnetes Straßennetz ermöglicht einen reibungslosen Verkehr, die Stadt kann leicht gereinigt und so Seuchen vermieden werden.

Politisch gesehen war der Entwurf das Gegenmodell zu den zuvor unregelmäßig gewachsenen Städten – und die Antwort des von Kolonialmächten befreiten Amerika auf den Prunk europäischer Monarchen.

Wachsende Bevölkerung

Ein Schachzug von DeWitt Clinton war der Ausbau eines Kanals vom Hudson River zu den Großen Seen. So wurde New York mit dem Kernland des Kontinents verbunden, erhielt eine Schiffsverbindung, wurde zur Drehscheibe des Handels. Und wuchs bis 1840 bereits auf 400.000 Einwohner. Heute leben in Manhatten, Bronx, Brooklyn und Co 8,4 Millionen Menschen.

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